Schulische Inklusion: „Viele Wege führen zum Ziel“

Fachtagung auf Haus Düsse bot 100 Teilnehmern Vorzeige-Beispiele

Professor Dr. Rolf Werning vom Institut für Sonderpädagogik an der Uni Hannover zog mit seinen zugespitzten Thesen zur inklusiven Schulentwicklung seine Zuhörer während der Fachtagung auf Haus Düsse in seinen Bann.

Kreis Soest (kso.2015.02.050.as/-rn). Wie ist eine inklusive Schule zu entwickeln? Welche Unterstützungsangebote gibt es? Antworten erhielten 100 Schulleiter, Steuergruppenmitglieder und Vertreter von Schulträgern während der Fachtagung "Viele Wege führen zum Ziel - Good-Practice-Beispiele für die schulische Inklusion" auf Haus Düsse in Bad Sassendorf. Es handelte sich um eine gemeinsame Veranstaltung des Schulamts, der Inklusionskoordinatorin, des Kompetenzteams für Lehrerfortbildung und des Regionalen Bildungsbüros.

Professor Dr. Rolf Werning vom Institut für Sonderpädagogik an der Uni Hannover belegte mit aktuellen Studien, dass Kinder mit Förderschwerpunkten grundsätzlich besser in Regelschulen lernen. Danach führen heterogen besetzte Lerngruppen auch bei Regelschülern zu mindestens gleichbleibenden Leistungen. Zusätzlich erwerben diese Schüler soziale Kompetenzen. Der Wissenschaftler ist Mitautor der aktuellen Bildungsstudie der Bundesregierung und begleitet Schulen auf ihrem Weg zu einer inklusiven Schule. Er hob hervor, dass insbesondere in Gymnasien Potenziale zur Entwicklung inklusiver Lerngruppen vorhanden seien. Einseitig zusammengestellte Lerngruppen mit nur starken oder nur schwachen Schülern führten weniger zum nachhaltigen Erwerb wesentlicher Kompetenzen als heterogene Lerngruppen. Die Gesellschaft lerne gerade erst, Heterogenität und Vielfalt als selbstverständlich im Zusammenleben anzusehen. Deshalb sei nachvollziehbar, dass der Inklusionsprozess nicht einfach umzusetzen sei. Werning schlug als Voraussetzung für das Gelingen vor, Teamstrukturen im Schulleben verlässlich zu verankern, und warnte vor zu hoch gesteckten Zielen.

Die Realschule Hamm-Heessen, die Sekundarschule Lohmar, das Alfred-Krupp Gymnasium Essen sowie die Gesamtschulen Holweide und Fröndenberg lieferten für Workshops Vorzeige-Beispiele für schulische Inklusion. Die Werning'sche These, dass heterogene Lerngruppen für die Entwicklung von Schülern mit und ohne Förderbedarf wichtig seien, bildete auch hier einen roten Faden. Die Inklusionsexperten forderten ebenso die institutionelle Verankerung im Schulentwicklungsprozess. Mehrere Schulen haben zum Beispiel die Förderschullehrer in die Klassenleitungsteams integriert und dadurch die gemeinsame Unterrichtsplanung sichergestellt. Vom Alfred-Krupp-Gymnasium erhielten die kommunalen Schulträger Anregungen für einen konstruktiven Ausbau der Zusammenarbeit mit den Schulen.

Der Fachtag bot einen Markt der Möglichkeiten, um die Kooperation mit außerschulischen Partnern zu fördern. Sieben Institutionen und Verbände präsentierten Unterstützungsangebote für den schulischen Inklusionsprozess.

Das Kompetenzteam Kreis Soest stellte die Beratung durch Inklusionsmoderatoren vor, die Diakonie Ruhr-Hellweg ihr jeweils individuell abgestimmtes Beratungsformat.


Direkte Begleitmöglichkeiten zeigten die DRK-Autismusambulanz, der Autismusarbeitskreis Soest und die Autismus-Selbsthilfe Ostwestfalen auf. Der Integrationsfachdienst im Kreis Soest und die Schulpsychologische Beratungsstelle des Kreises berichteten über ihre Erfahrungen bei Kooperation mit Schulen.

Kontakt: Pressestelle, Wilhelm Müschenborn, Telefon 02921/303200

Fotos: Anja Besse/Kreis Soest

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