Barrierefreiheit unerwünscht

Selbsthilfegruppe startet am Tag der Inklusion neues Projekt

Hangeln durch Netze in luftiger Höhe, Balancieren über freischwebende Balken, Überqueren von Seilbrücken – wer sich auf die erlebnispädagogischen Erfahrungen in Hochseilgärten einlässt, kann schon mal mit Herzklopfen und feuchten Händen rechnen. Das Projekt „Ich bin stark – Du bist stark im Klettergarten“, das heute – am Tag der Inklusion – mit der Seilschaft UG Rüthen und dem Diözesanzentrum Rüthen startet, birgt aber noch ganz andere Herausforderungen. An drei Terminen werden zwölf behinderte Jugendliche aus dem Altkreis Brilon dort versuchen, die eigenen Grenzen zu überschreiten – Barrierefreiheit ist ausnahmsweise mal unerwünscht.

Das Projekt ist im Umkreis einmalig, sagt Gaby Blüggel, Erste Vorsitzende der „Selbsthilfegruppe behinderter Kinder Brilon“. Rollstuhlfahrer im Hochseilgarten: Das hat es schon gegeben. Aber Menschen mit geistiger Behinderung, das ist auch den Trainern in Rüthen neu. Besonders ist an dem Konzept auch, dass sich die Jugendlichen zusammen mit einem Elternteil den Herausforderungen stellen. „Loslassen und vertrauen“ lautet die Maxime. „Unsere Kinder sollen lernen, sich etwas zu trauen, was sie sich sonst nicht zutrauen.“ Für Menschen mit Behinderungen, die im Laufe ihres Lebens häufig erfahren mussten, was sie im Vergleich zu Menschen ohne Handicap alles nicht können, sind positive Erlebnisse besonders wichtig, betont Blüggel, Mutter eines 26-jährigen Sohnes mit Downsyndrom. Aber auch für die Eltern ist das Loslassen können ihres Kindes ein wichtiges Lernziel.

„Das funktioniert noch nicht so“

Das behinderte Kind aus den Händen zu geben in ein selbstbestimmtes Leben, wie es der Inklusionsgedanke formuliert, ist ein häufiges Gesprächsthema beim Stammtisch der Selbsthilfegruppe. „Das funktioniert noch nicht so, wie es von der Politik gewünscht wird“, sagt Blüggel. Ihr Sohn etwa möchte gerne seinen Führerschein machen, heiraten und Kinder bekommen. Bis zu welchem Punkt das einen Sinn ergibt, sei die eine Sache. Aber auch die Realisierung eines Berufswunsches sei etwa ein Dauerthema. „Wenn Behinderte die gleichen Rechte haben sollen wie alle anderen, müssten sie das zumindest probieren dürfen“, meint Blüggel.

Selbsthilfegruppe

Die „Selbsthilfegruppe behinderter Kinder Brilon“ gründete sich 1998 und hat derzeit 50 Mitglieder (Förderer und betroffene Familien) im Altkreis. Die Gruppe trifft sich alle acht Wochen in Brilon, alle Interessierten sind bei den Gesprächsabenden willkommen. Es werden gemeinsame Aktionen an Wochenenden und in den Ferien unternommen. Alle zwei Jahre fährt die Gruppe zur Familienferienfreizeit nach Norderney. Die Gruppe bietet Hilfe zur Selbsthilfe (etwa bei Behördengängen).

Quelle: sauerlandkurier.de

Zurück

Wir verwenden Cookies

Unsere Website verwendet Cookies, die uns helfen, unsere Website zu verbessern, den bestmöglichen Service zu bieten und ein optimales Kundenerlebnis zu ermöglichen. Hier können Sie Ihre Einstellungen verwalten. Indem Sie auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Cookies für diesen Zweck verwendet werden. Mehr erfahren

Komfort

Komfort-Cookies ermöglichen Ihnen Zugang zu erweiterten Funktionen der Website (z.B. Karten oder Videos) und verbessern das Besuchererlebnis.
Nutzung von: Google Fonts, Google Maps, Vimeo und OpenStreetMap

Grundlegendes

Tools, die wesentliche Services und Funktionen ermöglichen, einschließlich Identitätsprüfung, Servicekontinuität und Standortsicherheit. Diese Option kann nicht abgelehnt werden.

Ablehnen
Einstellungen öffnen